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Brustschildmarken sammeln ohne dickes Portemonnaie

Moderator: Rüdiger



Beiträge: 6990
Bis jetzt bin ich immer davon ausgegangen, dass das Sammelgebiet "Brustschildmarken" des Deutschen Reiches nur dann sinnvoll zu betreiben ist, sofern man einen immer gut gefüllten Geldbeutel zur Verfügung hat.

In der aktuellen Ausgabe "485" der "philatelie" bearbeitet der Autor Jost Küpper auf den Seiten 22 bis 24 das Sammelgebiet "Brustschildmarken" unter dem Titel "Brustschildmarken sammeln ohne dickes Portemonnaie".

Dieser Titel machte mich sofort hellhörig im Hinblick auf die sich somit auch für Neueinsteiger ergebende Möglichkeit, in dieses interessante Sammelgebiet einzusteigen.

Wenn man im Artikel liest, dass die rote 1-Groschen-Ausgabe, katalogisiert mit kleinem Brustschild als MiNr. 4 sowie mit großem Brustschild als MiiNr. 19, in einer Auflage von stolzen 800 Millionen Exemplaren erschienen ist, dann handelt es sich bei dieser Wertstufe sicherlich auch heute noch um Massenware, von der man beliebig viele Exemplare im aktuellen Angebot zu Kauf und Tausch vorfindet. Bei Katalogpreisen von 10 MICHEL-€ für eine gestempelte MiNr. 4 sowie 8 MICHEL-€ für eine gestempelte MiNr. 19 sind beide Sammelobjekte der Begierde mehr als erschwinglich.

Interessant werden diese Marken durch nachverwendete Stempel und/oder Plattenfehler und Druckzufälligkeiten, die es zu entdecken gilt.

In einem ersten Selbstversuch habe ich das aktuelle Angebot bei ebay gesichtet und bin schnell und problemlos fündig geworden.

Limitiert man den durchschnittlichen Einkaufspreis der Stücke für seine Sammlung auf 5 € dann sollte man sich auf die MiNr. 4 und/oder MiNr. 19 beschränken, denn sämtliche anderen Marken werden zu einem so geringen Preis kaum einmal in guter Qualität zu haben sein.

Zielsetzung:
Ich gehe für diesen Selbstversuch zunächst einmal von einem durchschnittlichen Einkaufspreis von 10 € aus, was den Einkauf einzelner, durchaus teurerer Stücke ermöglicht.

Ich werde den Fortschritt der Sammlung nach jeweils 50 Stücken hier dokumentieren!

Status 25.11.2017: "Das fiktive erste Sammeljahr Brustschilde" = Die ersten 50 Sammelstücke
Anzahl hier gezeigter Sammelstücke: 50
Einkaufspreis gesamt PLAN: 500,00 €
Einkaufspreis gesamt IST: 273,58 €
MICHEL Deutschland Spezial Band 1 2016 zu 34,90 €
MICHEL Handbuch Plattenfehler auf Brustschildmarken Deutsches Reich 1872-1874, 3. Auflage 2016 zu 89,00 €
Gegenüber dem Plan eingesparter Betrag: 101,62 €

Status 09.12.2017: "Das fiktive zweite Sammeljahr Brustschilde" = Die zweiten 50 Sammelstücke
Zur Verfügung stehendes Budget für die zweiten 50 Sammelstücke: 50 x 10 € + 100 € als bisher eingespartes Startguthaben
Anzahl hier gezeigter Sammelstücke: 50
Einkaufspreis gesamt PLAN: 600 €
Einkaufspreis gesamt IST: 498,00 €
Katalog 320. Köhler-Auktion - Die "Kampen"-Sammlung Brustschilde zu 7 €
Gegenüber dem Plan eingesparter Betrag: 95,00 €

Status 13.12.2017: "Das fiktive dritte Sammeljahr Brustschilde" = Die Sammelstücke 101 bis 125
Man kann auf dem Niveau der ersten 100 gezeigten Sammelstücke mit der Zeit eine beliebig große Sammlung zusammentragen, denn es gibt laufend etwa 5000 Angebote zu den Brustschildmarken allein bei ebay!
Um unser "fiktives drittes Sammeljahr" hier aber noch interessanter zu machen und möglichst viele echte "Hingucker" vorstellen zu können verdoppele ich den geplanten durchschnittlichen Preis pro Sammelstück von bisher 10 € auf nunmehr 20 €!
Das bedeutet, dass unsere Sammlung nach 25 weiteren Sammelstücken gleich einem weiteren Sammeljahr, deutlich variantenreicher sein wird als wenn wir auf dem 10 € Niveau weitermachen würden.
Zur Verfügung stehendes Budget für 25 Sammelstücke: 25 x 20 €
Anzahl hier gezeigter Sammelstücke: 7
Einkaufspreis gesamt PLAN: 140 €
Einkaufspreis gesamt IST: 70,98 €
Gegenüber dem Plan eingesparter Betrag: 69,02 €


Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6990
Dieses Angebot bei ebay sprach mich direkt an:

http://www.ebay.de/itm/227248-DR-Brusts ... 2749.l2649

Dieses Exemplar der MiNr.19 wurde am 23.03.1874 entwertet mit einem nachverwendeten Kreisstempel vom Norddeutschen Postbezirk aus CULM, Feuser NDP 210.

Zu dem angebotenen Preis von 1,99 € plus 1 € Porto habe ich dieses Stück bei ebay sofort gekauft.

Heute traf das gute Stück hier ein und wirkt bildseitig optisch wirklich so stark wie angeboten:

IMG_0002.jpg
Schauen wir uns die Rückseite genauer an, die im Angebot nicht abgebildet war:

IMG_0003.jpg
Man erkennt bei der rückseitigen Ansicht deutlich, dass bei dieser Marke ein Riss fachgerecht geschlossen sowie ein Zahn repariert wurde.

Die Artikelbeschreibung bei ebay "saubere Marke ohne dünne Stellen etc... siehe Scan"ist korrekt und ich bin mit dieser "Premiere" bei meinem Selbstversuch zum Thema Brustschildmarken durchaus zufrieden.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6990
Heute ist das zweite, ebenfalls für 2,99 € inklusive Porto bei ebay per Sofortkauf erstandene Exemplar der MiNr. 19 hier eingetroffen:

IMG5_0002.jpg
IMG5_0003.jpg
Hier findet Ihr das Originalangebot:

http://www.ebay.de/itm/Brustschild-Mi-N ... 2749.l2649

Das Stück hat mich interessiert, weil...

1. die Zähnung rechts anders aussieht als an den anderen drei Seiten.
2. die Entwertung per Kreisstempel WIESBADEN am 28.02.1874 erfolgt ist.
3. die Marke stark nach links und leicht nach oben dezentriert ist.
4. sich links auf dem "H" von GROSCHEN ein diagonaler Strich in Markenfarbe findet, der aussieht wie ein Akzent.
5. sich unter dem "H" von GROSCHEN ein Punkt in Markenfarbe findet.

Das waren fünf spontane Gründe, diese Marke zu kaufen, um meine noch recht dürftigen Kenntnisse zum Thema Brustschildmarken zu erweitern.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6990
Die Zähnung der zuvor gezeigten Marke wird als "teils raue Zähnung" bezeichnet.

Die Zähnung von gleichzeitig zwei oder mehreren Bogen hatte mitunter eine raue Zähnung zur Folge.

Bei Marken der Ausgabe mit großem Brustschild kommt die raue Zähnung deutlich seltener vor als bei den Ausgaben mit kleinem Brustschild, bei denen man mehr unter Zeitdruck stand, um die Marken zum 01.01.1872 rechtzeitig liefern zu können.

MICHEL bewilligt für eine solche "teils raue Zähnung" einen Zuschlag von mindestens 10 MICHEL-€!

Und wieder etwas dazugelernt!!!

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Sa 4. Nov 2017, 17:50

Beiträge: 6990
Hier kommt die dritte Errungenschaft aus meinem Selbstversuch bei ebay:

https://www.ebay.de/itm/Adler-mit-klein ... 2749.l2649

Es handelt sich um eine MiNr. 3. also meine erste Marke der Ausgabe mit kleinem Brustschild:

IMG5_0004.jpg
Traumhaft schön abgeschlagen wurde bei diesem Exemplar der Tagesstempel von METZ BAHNHOF am 28.11.1872.

Schaut man sich die Markenrückseite an, so erkennt man, dass diese Marke geprüft wurde:

IMG5_0005.jpg
Das Prüfzeichen "M SOMMER BPP" wurde dabei ganz am unteren Rand der Marke angeesetzt, das nennt sich "tiefst geprüft" und steht für die höchste Qualitätsstufe, d.h. eine so geprüfte Marke darf bei der Prüfung keinerlei Mängel aufweisen. Das neu erworbene Exemplar hat unten aber zwei kurze Zähne und entspricht somit nach meiner laienhaften Einschätzung zumindest den heutigen Ansprüchen für ein Prüfzeichen "tiefst geprüft" nicht mehr!???

Auf jeden Fall ist und bleibt dieses Exemplar aber ein sehr interessantes und optisch schönes Stück dieser Ausgabe!

Bezahlt habe ich dafür 14,50 € plus 0,70 € Porto, also 15,20 €.

Liebe Grüße
Rüdiger


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Heute traf dieses Exemplar der MiNr. 19 hier ein:

IMG5.jpg
Es handelt sich um ein Briefstück mit einem Hufeisenstempel aus Hamburg vom 28.04.1873.

Das gute Stück ist geprüft SOMMER BPP:

IMG5_0001.jpg
Bezahlt habe ich für dieses schöne Stück sehr gerne die als Sofortkauf geforderten 5,99 € inklusive Porto:

https://www.ebay.de/itm/Hufeisenstempel ... 2749.l2649

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6990
Heute traf der erste Beleg des Sammelgebietes Brustschilde hier ein, eine EF der MiNr. 19 auf Brief von Roessel nach Suhl:

IMG5.jpg
Die Entwertung erfolgte am 14.03.1873 mit einem nachverwendeten Preussenstempel ROESSEL:

IMG5_0001.jpg
Die Stadt Roessel liegt in der historischen Region Ostpreußen, am Nordhang des Baltischen Höhenrückens am Übergang zur Schippenbeiler Tiefebene, nicht weit von den sich östlich erstreckenden Großen Masurischen Seen, etwa 55 Kilometer nordöstlich von Allenstein (Olsztyn).

Der Brief hat mich per Sofortkauf bei ebay inklusive Porto 12 € gekostet:

https://www.ebay.de/itm/DR-1973-ROESSEL ... 2749.l2649

Liebe Grüße
Rüdiger


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Dieser nach Hannover adressierte Brief wurde am 14.10.1872 in Stettin aufgegeben:

IMG5.jpg
Als Frankatur diente eine MiNr. 19, die mit einem nachverwendeten preußischen Zweikreisstempel STETTIN entwertet wurde:

IMG5_0001.jpg
Dieser Brief hat mich ganze 3 € inklusive Porto gekostet:

https://www.ebay.de/itm/Deutsches-Reich ... 2749.l2649

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6990
Deutsches Reich - MiNr.: 19 (Bfst.), 1 Groschen [großes Brustschild] mit einem K2 „SEBNITZ / 20 / XII“ !!!

so lautete her die Beschreibung: https://www.ebay.de/itm/DR-MiNr-19-gr-B ... 2749.l2649

Es handelt sich um eine MiNr. 19 auf Briefstück, entwertet per nachverwendetem Sachsenstempel "SEBNITZ", Feuser SA 300:

IMG5.jpg
Ich konnte dieses Exemplar für 4,95 € inklusive Porto per Sofortkaut bei ebay erwerben.

Die Marke weist den Plattenfehler XXIII a "Akzent über C in REICHS" auf!!!

Liebe Grüße,
Rüdiger

Beitrag Sa 11. Nov 2017, 13:36

Beiträge: 6990
Dieses Exemplar der MiNr. 2 FZL l7 gab es korrekt als solches beschrieben als Sofortkauf für 9,99 € inklusive Porto:

IMG5_0001.jpg
IMG5_0002.jpg


https://www.ebay.de/itm/D-Reich-Nr-2-FZ ... 2749.l2649

Das links fehlende siebte Zähnungsloch, katalogisiert als "l7", ist ein Beispiel für ein "häufig zu findendes" FZL = fehlendes Zähnungsloch, d.h. davon wurden mehr als 200 Exemplare registriert. MICHEL bewilligt für diese Besonderheit einen Zuschlag von "ab 20,-".

Die Marke ist nach links sowie nach oben dezentriert, die Prägung ist leicht nach unten verschoben und die Marke hat unten raue Zähnung.

Liebe Grüße
Rüdiger

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