Foren-Übersicht Basiswissen über Briefmarken Augen auf bei Tausch und Kauf!!!

Augen auf bei Tausch und Kauf!!!

Hier sollen grundlegende Informationen zu philatelistischen Fachbegriffen sowie interessante Aspekte der Philatelie dargestellt werden.

Moderator: Rüdiger


Beitrag Mi 12. Apr 2017, 16:31

Beiträge: 24
Wohnort: Kreis Tübingen

Schönen Nachmittag zusammen,

das Thema gefällt mir persönlich wirklich ganz gut, da es sehr schön aufzeigt, wie wichtig es ist die Augen offen zu halten :).

Anbei ein Beleg einer Auktion aus eBay die schon abgelaufen ist. Es ist eine Zehnfachfrankatur aus der Französischen Zone Württemberg. Beginnen wir erst mit der dahinterliegenden Geschichte der Zehnfachfrankatur. Am 21.08.1948 war die Währungsreform in Westdeutschland. Hier wurde jetzt die Reichsmark von der Mark abgelöst. Folglich haben auch die Briefmarken mit Reichsmark und Reichspfennig ihre Gültigkeit verloren. Dahingehend waren die alten Marken also auf einen "Schlag" entwertet. Um diese aber dennoch verwenden zu können gab es die Möglichkeit diese noch am 21.08.1948 aufzubrauchen. Hierbei galt der Umrechnungsfaktor von 10, daher auch die Bezeichnung "Zehnfachfrankatur". Dies bedeutet als, es musste also die 10fache Menge an Briefmarken auf dem Brief aufgebracht sein. In diesem Beispiel war die Porto Stufe 24 Pfennig, so mussten unter Verwendung der alten Reichsmark Briefmarken 240 Reichspfennig aufgebracht werden.Geduldet wurden diese Frankaturen bis zum ~23.08.1948.
Der abgeschlagene Stempel selbst ist, zumindest nicht bisher, nicht als Falschstempel geführt.

Doch was sollte hier einen jetzt stutzig machen?

Schauen wir uns doch mal die Anschrift an:

Frau
xx
Stuttgart 0
Straße XX

Auch hier, an sich jetzt nichts auffälliges, ok, wer jetzt Stuttgart 0 als Postamt an gibt hätte jetzt auch noch die Folgerichtige Beizeichnung (14a) für Stuttgart angeben können. Aber auch das macht mich hier nicht stutzig.

Schauen wir uns daher doch mal mit was der Brief beschrieben wurde. Hierbei fällt jetzt sehr schnell auf das dieser Nicht mit einem Füller geschrieben würde, hierfür ist das Schriftbild viel zu sauber und vor allem ohne "Kleckse" oder Dickere stellen wie man es kennt, wenn man den Füller auch mal absetzt und wieder neu ansetzt. Mit einem Füller um 1948 war man sicherlich nicht in der Lage so ein Schriftbild abzuliefern.
Somit bleibt ja nur noch der Kugelschreiber. Kugelschreiber gab es in Deutschland aber erst gegen 1950 zu kaufen und kostete damals um die 20DM. Es ist daher mehr als Unwahrscheinlich das der Brief mit einem Kugelschreiber beschriftet wurde. Ok, man könnte jetzt sagen, da hat vl. jemand einen von einem Amerikaner einen bekommen, da gab es ja um 1947 die ersten Kugelschreiber, diese waren aber noch nicht Klecksfrei und man hat beim ansetzen/absetzen dann immer einen Klecks beim schreiben.

Aus diesem Grund gehe ich persönlich davon aus, dass es sich bei dem gezeigten Brief um eine Fälschung handelt.

Grüße,
Ron

s-l1600.jpg
FZ

Beitrag Sa 6. Mai 2017, 16:19

Beiträge: 6800
Heute zeige ich Euch mal wieder einen echten Fund, den ich aktuell machen konnte!

Ich denke mal, keiner von Euch hätte für diesen Beleg 3 € ausgegeben?

IMG5_0002.jpg
Der Beleg hat altersbedingte Patina, wurde geknickt und ist nur mit einer niederländischen Dauerserienmarke frankiert, die noch dazu einen Zahnfehler hat???

Frage also: Was macht diesen Beleg extrem interessant?

Es darf spekuliert werden, bevor ich Euch die Rückseite zeige!!!

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Mo 8. Mai 2017, 10:23

Beiträge: 182
Wohnort: Tönning

Hallo Rüdiger,

die Niederlande ist wahrlich nicht mein Spezialgebiet dennoch möchte ich zum Spaß mal raten !

Ich vermute es hanndelt sich bei der Marke um die Ausgabe aus 1928, da das Datum des Aufgabe-Stempels auf der Vorderseite nicht komplett zu entziffern ist gehe ich davon aus das die Marke "frühverwendet" wurde eventuell in 1927.
Diese Theorie könnte mit dem Ankunftsstempel bestätigt sein.
Mal sehen ob ich richtig liege.
Bis bald
Kasper

Beitrag Mo 8. Mai 2017, 12:55

Beiträge: 6800
Hallo Kasper,

vielen Dank für Deinen Versuch einer Deutung, aber die Jahreszahl steht bei diesem niederländischen Stempeltyp jeweils unten. Somit wurde dieser Beleg am 27.09.1939 aufgegeben.

Ich zeige Euch jetzt mal die Rückseite:

IMG5_0003.jpg
Das sieht aus wie eine ganz gewöhnliche Devisenzensur, wie man sie für 3 € auf jedem Tauschtag aus einer Belegekiste ziehen kann! Hier ein typisches Beispiel:

2004691b.jpg
Vergleicht man beide Klebezettel dann stellt man einen Unterschied in der Schriftart fest, sofort erkennbar am "h" von "zollamtlich", das bei der seltenen Variante gerade ist.

Man nennt diese Variante "die österreichische Version" und dazu passt auch der Tagesstempel aus Wien vom 30.09.1939.

Und jetzt wird es richtig spannend, denn mit diesem Datum wird die bisher früheste Verwendung dieses österreichischen Klebezettels in der ABP Wien dokumentiert, die in der Frühphase, direkt nachdem sie eingerichtet wurde, die vorhandenen Mittel weiterbenutzte, um ihre ersten durchgeführten Prüfungen zu dokumentieren. Laut dem Katalog von Landsmann sind solche "Devisenzensuren" für die ABP Wien bisher erst ab Oktober 1939 belegt!

Und hier habe ich das hübsche Stück aus der Bucht gefischt:

http://www.ebay.de/itm/162460096007?_tr ... EBIDX%3AIT

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Fr 12. Mai 2017, 20:12

Beiträge: 24
Wohnort: Kreis Tübingen

Glückwunsch zu diesem tollen Beleg! Aber auf die Rückseite muss man ja auch erst mal kommen ;).

Grüße,
Ron

Beitrag So 14. Mai 2017, 21:38

Beiträge: 1227
Wohnort: Lübeck
Hallo zusammen,

an dieser Stelle möchte ich meine letzte Neuerwerbung auf der Messe Essen zeigen. Den Beleg habe ich kurz vor Toresschluss aus einer Grabbelkiste für 2 € befreien können. Warum zeige ich ihn nun in dieser Rubrik "Augen auf bei Tausch und Kauf!!!"? Ganz einfach, weil er hier voll reinpasst. Gefunden habe ich ihn in einer Kiste mit Inhalt "Berlin". Was ja auch passen würde, da eine Berlin-Sondermarke darauf klebt. Der Heuss-4-er-Block ist ja nur eine unscheinbare unwichtige Nebenfrankatur, noch dazu Dauerserie.

DSCI1157.JPG


Aber gerade dieser Heuss-4-er-Block ist das interesante an der ganzen Geschichte!!! Mir ist der schmalere Bogenrand aufgefallen, der normalerweise nur in den dazugehörigen Lumogen-Markenheftchen vorkommen kann. Dazu das Stempeldatum 15.8.61, da waren die Lumogenmarken (schon) im Umlauf. Also 1 und 1 zusammengezählt, 2 € gezahlt und den Beleg mitgenommen. Nach Prüfung unter der UV-Lampe strahlte mich eine wunderschöne gelbe Fluorezenz an und das Schnäppchen war perfekt. Die Augen offen zu halten hat sich also wieder einmal ausgezahlt. :D


Beste Grüsse

Bernd

Nachsatz: Das Bild ist mit der Digitalkamera aufgenommen worden, mein Scanner streikte heute etwas. Ich bitte die Bildqualität zu entschuldigen.

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