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Finnland - Die Postzensur in Finnland

Sofern man sich mit Postgeschichte beschäftigt kann und sollte man auf Spezialliteratur definitiv nicht verzichten.
Ihr werdet feststellen, dass Ihr detailliertes Fachwissen aus solcher Literatur sehr schnell gewinnbringend in Eure Sammlung einbringen könnt.
Daher rate ich unabhängig vom gewählten Sammelgebiet immer zur direkten Investition in die entsprechende Spezialliteratur.
Wenn es um Postzensur geht dann könnt Ihr mehr als froh sein, sofern Ihr überhaupt hin und wieder solche Spezialliteratur auftreiben könnt. Wenn so etwas am Markt auftaucht, dann unbedingt zuschlagen und kaufen!!!
Hier in diesem Thread sollen sowohl Standardwerke als auch Spezialwerke zur Postzensur vorgestellt werden.

Moderator: Rüdiger



Beiträge: 7660
Diese von Hans G. Moxter geschriebene Spezialliteratur erschien 1975 und ist sehr zu empfehlen, denn der Autor beschreibt sämtliche Formen finnischer Postzensur, die sich auf Belegen finden lassen:

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Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 7660
Da viele der zensurierten Belege von und nach Finnland aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges im Deutschen Reich eine der Auslandsbriefprüfstellen = ABP durchliefen kommt Ihr zur umfassenden Beschreibung finnischer Zensurbelege aus dieser Zeit eigentlich nicht ohne die entsprechende Spezialliteratur bezüglich der ABPs aus.

Dabei handelt es sich heute um "den Landsmann":

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Dieses Standardwerk kostete zunächst 79 Euro, ist aber aktuell für 59 Euro am Markt zu haben.

Das ist zwar ein sehr stolzer Preis, Ihr gewinnt aber mit der Lektüre dieses Buches einen dermaßen immensen Wissensvorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern, so dass Ihr diese Investition beim ersten Großtauschtag amortisieren könnt, zumindest war das bei mir selbst beim damaligen Kaufpreis von 79 Euro locker der Fall und seitdem profitiere ich wöchentlich bis monatlich davon, also absolute Kaufoption für alle, die sich mit Zensurpost während des Zweiten Weltkriegs vom, ins oder durch das Deutsche Reich beschäftigen.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 7660
Nach so viel literarischem Vorgeplänkel wollen wir jetzt aber endlich mal entsprechende Belege "sprechen lassen".

Den Anfang macht dieser Brief per Luftpost, frankiert mit 8,50 mk, aufgegeben am 12.04.1944 in Helsinki = Helsingfors:

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Rückseitig findet sich ein 30 mm breiter Verschlussstreifen der für Post aus Finnland zuständigen ABP Berlin mit dem dort üblichen Kennbuchstaben "b", katalogisiert als Landsmann BV3.2. Handprüfstempel in Rot, "geprüft" mit Tilde = ~, Adler zeigt links auf "o", rechts auf "r", katalogisiert als Landsmann BP4.4.

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Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 7660
Dieser mit 19,50 mk frankierte Luftpostbrief wurde per Einschreiben am 04.07.1944 in Helsinki aufgegeben:

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Der Beleg durchlief zunächst die finnische Zensur, wo vorderseitig ein Prüferstempel mit der Nummer "17" abgeschlagen wurde. "Tarkastettu Granskat" = "Zensuriert" auf Finnisch sowie Schwedisch, den beiden Amtssprachen in Finnland.

In Berlin durchlief der Beleg die für Postsendungen aus Finnland zuständige ABP, wurde rückseitig geöffnet und per Verschlussstreifen wieder verschlossen, was Handprüfstempel in Rot, katalogisiert als Landsmann BP4.14, dokumentieren.

Rückseitig erfolgte diagonal eine chemische Zensur per Pinselstrich mit einer Chemikalie von inks oben nach rechts unten.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 7660
Dieser nach Hamburg adressierte Luftpostbrief wurde am 14.07.1943 in Helsinki aufgegeben:

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Der Beleg durchlief die finnische Überwachungsstelle, wo er linksseitig geöffnet und nach erfolgter Zensurierung mit einer Verschlußbanderole wieder verschlossen wurde, was ein sowohl vorderseitig als auch rückseitig jeweils zweimal abgeschlagener Prüferstempel mit der Kennziffer "47" dokumentiert.

In Berlin durchlief der Beleg die ABP und erhielt dort einen Handdurchlaufstempel "Ab".

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 7660
Dieser nach Leipzig adressierte Luftpostbrief wurde am 17.07.1943 in Turku aufgegeben und per Maschinenstempel entwertet. Im Maschinenstempel steht "SÄÄRTÄ" sowie "SPARA", finnisch sowie schwedisch für "speichern":

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Der Beleg durchlief zunächst die finnische Zensur, wo vorderseitig ein Prüferstempel mit der Nummer "77" abgeschlagen wurde. "TARKASTETTU GRANSKAT" = "Zensuriert" auf Finnisch sowie Schwedisch, den beiden Amtssprachen in Finnland.

In Berlin durchlief der Beleg die für Postsendungen aus Finnland zuständige ABP, wurde linksseitig geöffnet und per hellbraunem Verschlussstreifen der Briefverschlussvorrichtung, diagonal im 45° Winkel geriffelt, wieder verschlossen, Landsmann BVB1.1, was ein Maschinenprüfstempel in Rot, katalogisiert als Landsmann BPV1.1, dokumentiert.

Vorderseitig erfolgte diagonal eine chemische Zensur per zwei Pinselstrichen mit Chemikalien von inks oben nach rechts unten, rückseitig erfolgte ein solcher Pinselstrich.

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Es handelt sich also bei diesem Beleg um eine Doppelzensur Finnland/Deutsches Reich in Kombination mit chemischer Zensur, was der Anbieter zu einem Glück nicht erkannt hatte:

http://www.ebay.de/itm/282104992131?_tr ... EBIDX%3AIT
Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 7660
Diese nach "Åbo" = Turku in Finnland adressierte Ansichtskarte wurde im April 1919 in "LEOBERSDORF" in "Deutschösterreich" als Drucksache aufgegeben:

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Sie kam laut Maschinenstempel am 01.05.1919 in Turku Åbo an.

Die Karte durchlief die finnische Zensur, wo ein zweizeiliger Rahmenstempel "Öppnad av krigssensuren. Sotasensuurin
tarkastama." in Braun abgeschlagen wurde.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 7660
Diese Ansichtskarte aus derselben Korrespondenz kam laut Handstempel am 26.05.1919 in "ÅBO TURKU" an:

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Die Karte durchlief ebenfalls die finnische Zensur, wo ein zweizeiliger Rahmenstempel "Öppnad av krigssensuren. Sotasensuurin tarkastama." in Braun abgeschlagen wurde.

Im Gegensatz zu dem zuvor gezeigten Beleg trägt dieser einen österreichischen Stempel "ZENSURIERT" und es handelt sich somit in diesem Fall um eine Doppelzensur Österreich - Finnland!

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 7660
Dieser nach Lübeck adressierte Brief wurde am 04.05.1940 in Vestanfjärd aufgegeben:

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Der Beleg durchlief die finnische Zensur, wo er linksseitig geöffnet und nach erfolgter Zensurierung mit einem Verschlusszettel "SOTASENSUURI KRIGSCENSUREN" mit stumpfem "A", der nur Anfang 1940 in Gebrauch war, wieder verschlossen, was ein Prüfstempel dokumentiert.

Im Deutschen Reich angekommen wurde der Beleg der für Post aus Finnland zuständigen ABP Berlin zugeleitet, wo der Beleg rechtsseitig hinten geöffnet und nach erfolgter Zensurierung mit einem Verschlusszettel ohne Faltlinien, Landsmann BV2.2, wieder verschlossen wurde, was ein Prüfstempel, Landsmann BP1.3, dokumentiert.

Liebe Grüße
Rüdiger


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