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Post- und Absenderfreistempel

Moderator: Rüdiger



Beiträge: 2541
Dieser Rostocker Absenderfreistempel benennt den FDGB als Absender. Den Kreisvorstand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes. 1986 hatte er seine gewerkschaftliche Rolle noch gesamtgesellschaftlich inne.

Hier ein Umschlag mit Adress-Zudruck, ein immer gesuchtes Stück unserer vielen Heimatsammler.
FDGB-1986-1.jpg


So ein Gewerkschaftsmitglied hatte üblicherweise in seinem Mitgliedsbuch die Beitragsmarken und freiwilligen (??) Solidaritätsmarken zu kleben. Oder der Beitragskassierer klebte sie ein und entwertete diese "Fiskalmarken" mit einem kleinen Gummistempelchen. ... So ein winziges Gummistempelchen liefere ich für historisch Interessierte gerne nach. ;)

Hier die Doppelseite eines Mitgliedsbuches für das jahr 1986. Interessant die vielen verschiedenen Fiskalmarken.
FDGB-Fiskalmarken-1986.jpg


Zum 30. September 1990 löste sich der FDGB mit seinen Einzelgewerkschaften auf. Es konnten 1990 nur noch die restlich vorhandenen Fiskalmarken aufgebraucht werden. Was mit dieser Doppelseite des selben Mitgliedsbuches auch dokumentiert wird.
FDGB-Fiskalmarken-1990.jpg


(Anmerkung: Solche FDGB-Mitgliedsbücher werden auf manchen Internetverkaufsplattformen angeboten.)

Liebe Grüße
Matthias


Beiträge: 2541
Was bei diesem Absenderfreistempel auffällt, ist das verkehrt herum montierte Zählwerk, oder einzelne Ziffern davon.
FDGB-1986-1.jpg


Aber wie nun verkehrt herum, könnte wohl mit Vergleichsstücken festgestellt werden.
FDGB-1986-2.jpg
FDGB-1986-3.jpg


Liebe Grüße
Matthias

Beitrag Sa 25. Okt 2014, 23:29

Beiträge: 7875
1884 Gründung der Firma Friemann & Wolf GmbH (FRIWO) von Heinrich Friemann aus Eisleben und Carl Heinrich Wolf aus Zwickau. Ab 1933 entstanden mehrere Zweigniederlassungen.

1946 Enteignung der GmbH. Das Unternehmen wurde zunächst als Betrieb der SAG-Kabel Grubenlampenfabrik Zwickau fortgeführt., siehe diesen Absenderfreistempel vom 24.12.1948:

IMG_0012.jpg
1949 erfolgte dann die Umbenennung in Grubenlampenwerke.

1952 Rückgabe an die DDR und bis in die 1960er-Jahre als VEB Grubenlampenwerke Zwickau (GLZ). Einige Typen der NC-Alkali-Akkus im Stahlblech-Gehäuse werden auch für Kofferradios (Röhrenheizung) eingesetzt.

Firmiert vorübergehend 1984(?) als VEB Grubenlampen- und Akkumulatorenwerk Zwickau (GAZ).

Mit der Einbeziehung in das Kombinat VEB Galvanische Elemente Zwickau Firmierung auch als KGZ. Neben Grubenlampen werden hauptsächlich Auto-Akkus (Starterbatterien) sowie Blei- und NC-Alkali-Akkus für Bahn und Fernmeldetechnik hergestellt.

1991 Abwicklung der Firma durch die Treuhand, Übernahme durch die VARTA-Gruppe.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 2541
Der heutige Absenderfreistempel des Jahres 1986 führt uns nach Genthin zum „VEB Waschmittelwerk Genthin“ und zum Waschmittel „Spee“.
Genthin_26.8.1986.jpg


Eine ehemalige Spee-Verpackung (Quelle: Wikipedia Commons), wie sie in den DDR-Regalen stand:
Ostalgie-rr-10.jpg
640px-Ostalgie-rr-09.jpg


„Spee ist seit der deutschen Wiedervereinigung eine Marke für Waschmittel von Henkel. Die Marke steht für Spezial-Entwicklung. Spee war eine der wenigen ostdeutschen Marken, die sich nach der Wende in den westlichen Bundesländern durchsetzen konnte. Das Flüssig- wie das Pulverwaschmittel Spee werden mittlerweile in Düsseldorf hergestellt.“, also hat das Produkt die Wendezeit überstanden. Wenn es auch nicht mehr aus Genthin kommt. Weiteres zu diesem Waschmittel kann man nachlesen in: http://de.wikipedia.org/wiki/Spee_%28Waschmittel%29 . Wie immer bei der AFS-Retrospektive sehr interessant.

Aber gibt es in Genthin jetzt gar kein Waschmittelwerk mehr?

Irgendwie wohl doch noch.
1921/1922 durch die Firma Henkel gegründet, von der russischen Besatzungsmacht teilweise demontiert, 1990 von der Treuhand durch die Henkel KGaA zurück gekauft, Ende 2009 wegen Umstrukturierungen geschlossen.
Ende? Noch nicht.
Größere Teile des Betriebs wurden von der Hansa Group AG übernommen und der Name wurde in Waschmittelwerk Genthin GmbH geändert. Juli 2014, also erst vor ein paar Monaten, stellte die Hansa Group AG einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
Ende? Noch nicht abzusehen.

So spannend kann es in Deutschland zugehen.

Liebe Grüße
Matthias


Beiträge: 2541
Eine sehr interessante GmbH in der DDR war die GENEX Geschenkdienst GmbH mit Sitz in Berlin. Dahin führt uns der heutige AFS.
Genex-Berlin-1984.jpg


"Die Geschenkdienst- und Kleinexporte GmbH (kurz Genex; später nur noch Genex Geschenkdienst GmbH) war ein am 20. Dezember 1956 auf Anordnung der DDR-Regierung gegründetes Unternehmen. Es war eine der wichtigsten Devisenquellen der Kommerziellen Koordinierung, einer Abteilung des Ministeriums für Außenhandel der DDR. Hauptsitz war in Ost-Berlin.", Quelle und weitere Infos hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Genex

Das Logo, wie auf dem AFS-Beleg:
Genex04.jpg


(Quelle: Wikipedia Commons)

Nach der deutsch-deutschen Wende, die wir am gestrigen Sonntag zum 25. Mal feierten, verschwand diese GmbH wegen sinkender Auftragslage gegen Null ;) ... spurlos.

Liebe Grüße
Matthias

Beitrag Do 29. Dez 2016, 12:44

Beiträge: 7875
Diesen Beleg habe ich gestern bei der Börse in Osnabrück für 0,25 € aus einer Grabbelkiste befreit:

Ansichtskarte aus dem Libanon, geschrieben am 06.04.1975 in Damaskus in Syrien, frankiert am 17.04.1975 per Absenderfreistempel "Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten" zum Inlandstarif von 10 Pfennig:

IMG5_0001 - Kopie.jpg
IMG5 - Kopie.jpg


Hier ein Originalfoto des Gebäudes des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten aus dem Jahre 1972:

Bundesarchiv_Bild_183-L0927-0305,_Berlin,_Aussenministerium.jpg
Quelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-L0927-0305 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5365911

Nun aber zur Erklärung dieses interessanten Beleges:

Über das im Werbeeinsatz des Absenderfreistempels genannte Postschießfach "PSF 101" wurden Postsendungen von Mitarbeitern der Botschaften der DDR an ihre Angehörigen geleitet.

Die Sendungen wurden per Kurierpost aus dem jeweiligen Land zunächst nach Berlin befördert.

Mit "PSF 101" ist ein Postschließfach beim Postamt 1020 Berlin gemeint. Dieses war für das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR eingerichtet. Diese Postkarte ist als Auslandspost nur dadurch zu erkennen, wenn man weiß, dass der Zusatz nach dem Schrägstrich hinter der PSF-Angabe 101 im Absender auf eine Auslandsvertretung der DDR hinweist, hier die "86" für Syrien.

Bis Mitte der 70er Jahre gab es für Mitarbeiter der DDR-Vertretungen in den Mitgliedsländern des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) keine besondere Postbeförderung. Es wurde die Post des Gastlandes benutzt. Nach der weltweiten diplomatischen Anerkennung der DDR und der Aufnahme in die UNO 1973, wurde die Post des Gastlandes nicht mehr benutzt.

Als Absenderangabe für die Post aus dem Ausland wurde "1020 BERLIN PSF 101/" und nach dem Schrägstrich die Zahl für die DDR-Auslandsvertretung angegeben. Die Beförderung von und nach der Poststelle des Ministeriums erfolgte durch Kurier. Zugelassen waren Postkarten sowie Briefe bis 20 Gramm.

Zugang zu diesem Postweg hatten Mitarbeiter der DDR-Botschaften und anderer diplomatischer Vertretungen.

Bei der Einführung der Länder-Codes wurden zwei Ländergruppen festgelegt:

1. Staaten des Warschauer Vertrages
2. Länder nach dem Alphabet geordnet, in denen die DDR diplomatische Vertretungen unterhielt.

z.B.
1. Gruppe ab 101/1 A - Botschaft der DDR in der UdSSR
101/1 B - Handelsvertretung der DDR in der UdSSR
bis 101/14 - Generalkonsulat der DDR in Varna

2. Gruppe: 101/16 - Botschaft in der Arabischen Republik Ägypten
bis 101/105 - Botschaft in Afghanistan.

Diese Belege sind nicht häufig!
Die Karten und Briefe, die über den beschrieben Beförderungsweg liefen, waren reine Bedarfspost.
Die meisten nach der DDR adressierten Belege, die mit dem Freistempel des MfAA versehen waren, dürften von den Empfängern in den Papierkorb geworfen worden sein.

Also:
Augen auf bei Tausch und Kauf, vielleicht fällt Euch dann ein solches, bis dato unerkanntes Schmuckstück in die Hände!

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Do 29. Dez 2016, 15:58

Beiträge: 7875
Und, ähnlich wie beim Pilzesammeln, lohnt es sich bei solchen Funden in Grabbelkisten meistens, diese daraufhin noch einmal genauer durchzusehen!

Hier ein zweiter solcher Beleg in Form einer Ansichtskarte aus Bagdad im Irak mit Absendervermerk "PF 101/42", die "42" steht demnach für den Irak als Aufgabeland, befördert per Kurier nach Berlin und dort am 20.02.1981 freigemacht mit 10 Pfennig entsprechend einer Postkarte im Inlandsverkehr:

IMG5_0001.jpg
IMG5.jpg
Bei diesem Absenderfreistempel handelt es sich um einen Abschlag von einer Maschine des Herstellers Pitney Bowes.

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Do 29. Dez 2016, 16:13

Beiträge: 7875
Nach dem Motto "Aller guten Dinge sind drei" folgt noch ein weiterer solcher Beleg aus dieser Grabbelkiste:

Ansichtskarte aus Cairo in Ägypten, befördert per Kurier nach Berlin, dort am 08.09.1983 mit 10 Pfennig per Absenderfreistempel des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten als Postkarte im Inlandsverkehr korrekt freigemacht:

IMG5_0003 - Kopie.jpg
IMG5_0002 - Kopie.jpg
Ein Absendervermerk fehlt auf diesem Beleg, der Botschaft der DDR in der Arabischen Republik Ägypten war aber wie bereits beschrieben die "16" für Ägypten als dem im Alphabet ersten Land der 2. Ländergruppe zugeordnet.

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Fr 30. Dez 2016, 16:21

Beiträge: 7875
Dieser Beleg trägt zwar keinen Absenderfreistempel, passt aber perfekt zu den drei zuletzt gezeigten Belegen:

IMG5_0004 - Kopie.jpg
In diesem Falle lief die in Holzhau aufgegebene Ansichtskarte über das PSF 101 des "MfAA" der "42" für den Irak entsprechend per Kurierpost nach Bagdad, wurde dort mit einem Gruß versehen und ging per Kurierpost wieder "zurück"!

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Di 3. Jan 2017, 17:47

Beiträge: 7875
Soeben habe ich Literatur zu diesem interessanten Thema im Internet entdeckt und direkt zugeschlagen:

ddr-spezial-bd-04-kretzschmar-fischer-psf-101-1020-berlin-ein-besonderer-kurierdienst-der-ddr.jpg
DDR-spezial Bd. 04: Kretzschmar/Fischer: PSF 101, 1020 Berlin. Ein besonderer Kurierdienst der DDR

Beschreibung:

Ein Bericht von Dr. Dieter Kretzschmar, in 2. Auflage bearbeitet von Peter Fischer Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft "DDR-Spezial" im Philatelistenclub Berlin-Mitte zum Sammelgebiet DDR, Heft 4 64 Seiten mit farbigem Titelbild und 120 Abbildungen, DIN A 4 geheftet.

Das Gebäude des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR im Berliner Stadtzentrum existiert nicht mehr, es wurde abgerissen. An die Poststelle in diesem Hause aber erinnern bis heute Belege, für die sich auch die Philatelisten interessieren: Es ist dies eine Art Dienstpost von Mitarbeitern ausländischer Vertretungen der DDR an Adressen in der DDR oder umgekehrt aus der DDR an Mitarbeiter in diesen Vertretungen. Dafür gab es eine Kombination aus normalem Postverkehr innerhalb der DDR und Kurierdienst zwischen den ausländischen Vertretungen und der DDR. Das Postschließfach 101/1020 Berlin spielte dafür die Mittlerrolle. Registriert wurde diese Post erstmals bereits 1986 im DDR-Universalkatalog. Doch die Forschungsergebnisse dazu waren bisher eher vage. Dr. Dieter Kretzschmar legte im Jahre 1999 mit dieser Broschüre erstmals eine fundierte Ausarbeitung vor, die Grundsätzliches klärte, wenn auch Einzelfragen weiter offen blieben. Die Neuauflage der Schrift von 1999, die seit längerem vergriffen war, bringt wichtige neue Erkenntnisse und eine durchgehende Überarbeitung des Inhalts. Nachdem unlängst eine von 1986 stammende Richtlinie für den Transport der Privatpost zwischen dienstlich im Ausland weilenden Bürgern der DDR und Empfängern bzw. Absendern in der DDR gefunden wurde, kann das System der verwendeten Codenummern als weitestgehend entschlüsselt gelten. Ein Vorschlag zur Bewertung der Belege ist enthalten, ebenso eine Liste der Postschließfachnummern für die DDR-Vertretungen in den einzelnen Ländern.

Quelle: https://www.hummel-buch.de/DDR-spezial- ... st-der-DDR

Liebe Grüße
Rüdiger

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