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Arktis

Moderator: Rüdiger


Beitrag Di 8. Apr 2014, 22:36

Beiträge: 7569
Die Arktis ist die nördliche zirkumpolare Erdregion und bedeckt als eine der beiden irdischen Polkappen die nördlichen Teile der drei Kontinente Nordamerika, Asien und Europa, ferner das großenteils von Eis bedeckte Nordpolarmeer.

Die Bezeichnung "Arktis" leitet sich von dem altgriechischen Wort "árktos" = russisch ἄρκτος = Bär ab.

Das Adjektiv "arktikós" = arktisch bezeichnete das Land unter dem Sternbild des Großen Bären.

Der Polarstern liegt mit nur knapp 44 Bogenminuten Abweichung nahezu senkrecht über dem Nordpol und gehört heute zum Sternbild Kleiner Bär.

In diesem Thread machen wir uns auf in das Ewige Eis der Arktis!

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Di 8. Apr 2014, 23:12

Beiträge: 7569
Nordpol-1 lautet der Name der ersten Polarstation, die von der Sowjetunion 1937 auf einer driftenden Eisscholle am Nordpol eingerichtet worden ist. Die Verantwortung für das gesamte Projekt trug Otto Schmidt.

Die Drifteisstation "Nordpol-1" wurde von Iwan Papanin geleitet und umfasste ausserdem die Wissenschaftler Jewgeni Konstantinowitsch Fjodorow und Pjotr Petrowitsch Schirschow sowie den Funker Ernst Krenkel.

Am 21.05.1937 setzte eine ANT-6 die Expedition auf einer Eisscholle ab, die sich nach einer ersten, vorläufigen Positionsbestimmung 20 Kilometer vom Pol entfernt befand, später wurde die Position auf 89° 25' Nord und 78° 40' West präzisiert.

Am 27.05.1937 und am 05.06.1937 landeten drei weitere Flugzeuge, zeitweise befanden sich 43 Mann auf dem Eis.

Sechs Zelte wurden aufgebaut und zehn Tonnen Fracht ausgeladen.

Am 07.06.1937 hoben die Maschinen wieder ab und liessen die vier Expeditionsmitglieder sowie einen Hund zurück.

Die Scholle war zu diesem Zeitpunkt bereits bis auf 88° 54' Nord und 20° West gedriftet.

Im Juli 1937 bildete die Besatzung die nördlichste Partei- und Komsomolgruppe der Sowjetunion, obwohl nur Papanin volles Parteimitglied und Schirschow sogar parteilos war.

Bei Expeditionsbeginn besass die Eisscholle eine Grösse von 3200 mal 1600 Metern und war drei Meter dick.

Die Station bestand aus einem Zelt, einer Funkstelle und einem Wetterhäuschen. Hier ein Originalfoto des Zeltes:

nordpol1.jpg
Im Juli wurde das Wetter so warm, dass sich überall Wasserlachen bildeten.

Andererseits wehten auch immer wieder Schneestürme die Station zu.

Für den ersten Transpolarflug von Moskau nach Vancouver am 20.06.1937 unter Waleri Tschkalow legte die Expedition einen Notlandeplatz an.

Der Winter setzte am 02.09.1937 mit einer Temperatur 12 Grad unter Null ein.

Das ermöglichte den Expeditionsteilnehmern, zusätzlich zum Zelt ein Haus aus Eisziegeln zu bauen.

Am 04.10.1937 sahen sie zum letzten Mal die Sonne.

Mitte Oktober hatten sie bereits den 85. Breitengrad überquert.

Die Eisscholle driftete mit einer Geschwindigkeit von bis zu 21 Kilometern am Tag die Ostküste von Grönland entlang Richtung Süden.

Trotz der einsetzenden Polarnacht nahm die Driftgeschwindigkeit des Eisfeldes eher zu.

Ab Anfang Januar 1938 kam es zu Eispressungen, am 20.01.1938 spürten die Schollenbewohner einen starken Stoss. Vom Wohnzelt bis zum Eisrand betrug die Strecke nur noch 300 Meter. Nach einem schweren Schneesturm lief am 29.01.1938 eine erste Eisspalte durch das Expeditionslager. Weitere Eisspalten zwangen zum ständigen Umziehen, während sich das umgebende Eisfeld in Trümmer verwandelte.

Am 03.02.1938 lief die "TAIMYR" in Murmansk aus, um die Expedition zu bergen, vier Tage später die "MURMAN" – noch nie hatten zu der Jahreszeit Eisbrecher so weit nördlich im Eismeer operiert.

Die Scholle war inzwischen noch nicht einmal mehr gross genug, um den 70 Meter langen Antennendraht ganz auszuspannen, und so weit nach Süden gedriftet, dass sogar die Sonne wieder auftauchte.

Am 12.02.1938 sichteten die Forscher die Scheinwerfer der "TAIMYR", aber erst eine Woche später hatte der Eisbrecher das Lager auf 70° 54' Nord und 19° 48' West in Sichtweite der grönländischen Küste erreicht.

In 274 Tagen hatte "Nordpol-1" 2500 Kilometer zurückgelegt, die direkte Strecke betrug 2050 Kilometer; zuletzt war die Eisscholle nur noch 30 Meter breit.

Expeditionsleiter Iwan Papanin hatte in der Zeit von 90 auf 60 Kilogramm abgenommen.

Diese Ganzsache der Sowjetunion aus dem Jahre 1977 würdigt das 40jährige Jubiläum dieser denkwürdigen Expedition, wobei das errichtete Zelt deutlich zu erkennen ist:

IMG_0002.jpg
Die Entwertung erfolgte am 27.08.1980 durch einen Poststempel der Drifteisstation Nordpol-22, die einen einzigartigen Rekord hält, denn die Drifteisstation "Nordpol-22" hatte eine Lebensdauer von neun Jahren.

Sie wurde am 13.09.1973 bei 76° 16′ Nord, 168° 31′ West begonnen und legte eine Strecke von 17.069 Kilometern zunächst durch die an Kanada und Alaska angrenzende Arktis und dann mit der Transpolardrift über den Nordpol Richtung Framstraße zurück. Sie wurde am 08.04.1982 bei 86° 10′ Nord, 00° 00′ geschlossen.

Laut rückseitigem Maschinenstempel kam der Beleg am 11.12.1980 in seinem Bestimmungsort Krasnokamsk = russisch Краснокамск an:

IMG_0003.jpg
Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 7569
Dieser Brief hat es tituliert als "Arktisbrief 1973" und aufgelegt als Spendenquittung der SOS-Kinderdörfer so richtig in sich:

IMG_0002.jpg
Der Brief wurde frankiert mit einer österreichischen Sondermarke, die aus Anlaß "100 Jahre Entdeckung des Franz-Josef-Landes" erschien, in Mischfrankatur mit einer Freimarke.

Die Entwertung erfolgte am 30.08.1973 in Graz mit einem zum Motiv passenden Sonderstempel mit der Kennziffer "2".

Dann wurde der Beleg mit Austrian Airlines von Wien nach Kopenhagen geflogen und von dort nach Tromsø weitertransportiert.

In Tromsø übernahm den Beleg das Schiff MS NORDSTJERNEN und beförderte ihn weiter bis an seinen Bestimmungsort LONGYEARBYEN, der auf den Koordinaten 78°12'28'' auf Spitzbergen = norwegisch "Svalbard" liegt.

Dort kam der Beleg dann am 14.09.1973 an, was ein Ankunftsstempel mit einem Elch als Motiv dokumentiert.

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Sa 20. Jun 2015, 19:12

Beiträge: 2541
Diese CCCP-Marke aus dem Jahr 1965 (MiNr. 3127) zeigt anläßlich des 50. Gründungsjubiäums der arktischen Siedlung Dikson, einen territorialen Ausschnitt dieses Teils der Arktis.
CCCP 1965, MiNr. 3127, 50 Jahre art.Siedlung Dikson.jpg


Liebe Grüße
Matthias


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