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Portobriefe nach Frankreich 1853 bis 1858 mit Rayonstempeln

In diesem Thread soll das Wirken der Preußischen Post nach dem Ende der Franzosenzeit ab 1813 bis zur Ausgabe der ersten Preußischen Briefmarken am 15.11.1858 dokumentiert werden.

Moderator: Rüdiger



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Dieser Brief wurde am 18.04.1855 in MAGDEBURG BAHNHOF aufgegeben:

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Der Beleg durchlief am 21.04.1855 das Grenzpostamt Valenciennes, wo ein Zweikreisstempel in Rot abgeschlagen wurde.

Die handschriftliche Taxierung "7" = 7 Decimen = 70 Centimes setzt sich zusammen:
aus dem Vereinsporto von 3 Silbergroschen (= 36 Centimes) für einen einfachen bis 1 Loth schweren Brief aus dem dritten preußischen Rayon,
aus dem französischen Porto von 25 Centimes für einen "einfachen", d.h. unter 7,5 Gramm schweren Brief,
aus dem belgischen Transitporto von 5 Centimes.

Die rein rechnerisch resultierenden 66 Centimes wurden auf den nächsten durch 5 teilbaren Betrag auf 70 Centimes aufgerundet.

Rückseitig zwei Zweikreisstempel, ein Bahnpoststempel "PARIS à BORDEAUX" sowie ein Ankunftsstempel "BORDEAUX" vom 22.04.1855.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6824
Dieser nach Bordeaux adressierte Brief wurde am 22.10.1855 in Berlin bei der "STADTPOST-EXP: XI" aufgegeben:

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Der Beleg durchlief am 24.10.1855 das Grenzpostamt Valenciennes, wo ein Zweikreisstempel in Blau abgeschlagen wurde.

Die handschriftliche Taxierung "7" = 7 Decimen = 70 Centimes setzt sich zusammen:
aus dem Vereinsporto von 3 Silbergroschen (= 36 Centimes) für einen einfachen bis 1 Loth schweren Brief aus dem dritten preußischen Rayon,
aus dem französischen Porto von 25 Centimes für einen einfachen unter 7,5 Gramm schweren Brief,
aus dem belgischen Transitporto von 5 Centimes.

Die rein rechnerisch resultierenden 66 Centimes wurden auf den nächsten durch 5 teilbaren Betrag auf 70 Centimes aufgerundet.

Rückseitig zwei Zweikreisstempel, einmal ein Bahnpoststempel "PARIS A BORDEAUX" vom 24.10.1855 sowie einmal "BORDEAUX" vom 25.10.1855.

Liebe Grüße
Rüdiger


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Dieser heute beim Großtauschtag in Mönchengladbach-Rheindahlen erstandene Beleg hat es in sich!

Der nach Paris adressierte Brief wurde am 22.07.1858 im im Zug III des Tages auf der Strecke BERLIN - MINDEN mitfahrenden Eisenbahnpostbüro aufgegeben und trägt daher den eigentlich wie auf der Rückseite abgeschlagen dreizeiligen Kursstempel als Aufgabestempel, bei dem vorderseitig als Aufgabestempel jedoch der untere Teil abgedeckt wurde, um "BERLIN" als Aufgabeort zu dokumentieren:

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Am 24.07.1858 lief der Beleg durch das Grenzpostamt Valenciennes, was ein Zweikreisstempel in Rot mit der Kennziffer "3"dokumentiert.

Rückseitig finden sich neben dem preußischen Kursstempel der Bahnpost "BERLIN 22 7 III MINDEN" noch zwei Zweikreisstempel in Schwarz aus Paris "1" sowie "POSTE RESTANTE".

Als Gesamtgebühr wurden für diesen Brief "18" Decimen angesetzt.

Bei der sinnvollen Aufschlüsselung dieser Gesamtgebühr tue ich mich noch etwas schwer.

Oben links könnte in Blau als Gewicht in Preußen "2 Loth" vermerkt worden sein. Ein preußisches Lot waren 16 2/3 Gramm. Daneben könnte das Vereinsporto in Höhe von 3 Silbergroschen pro Loth vermerkt worden sein.

Sofern das stimmt wäre als preußischer Gebührenanteil für diesen Brief 3 Silbergroschen mal 2 gleich 6 Silbergroschen anzusetzen, die beim Umrechnungsfaktor von 1 Sgr = 12 Centimes zu 72 Centimes als preußischem Gebührenanteil werden.

Der französische Anteil der Gebühr betrug 25 Centimes für einen Brief bis 7,5 Gramm plus 5 Centimes für den Transit durch Belgien. Es wurde eine Gewichtsprogression angewendet. Um auf die Gesamtsumme von 18 Decimen = 180 Centimes zu kommen muß man die 30 Centimes mal 3,5 nehmen, was einem Gewicht von 26 bis 30 Gramm entsprechen sollte, und der französische Gebührenanteil errechnet sich zu 105 Centimes.

Insgesamt resultieren 177 Centimes, die zu 180 Centimes = 18 Decimes aufgerundet wurden.

Klingt plausibel, aber ob das so stimmt!???

Vielleicht liest hier ja mal jemand mit, der sich mit dieser schwierigen Gebührenerhebung auskennt.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6824
Dieser Brief lief am 26.08.1857 ab "AACHEN NACHTS" über Valenciennes und Paris sowie die Bahnstrecke Paris-Bordeaux nach Bordeaux, was rückseitig Durchgangsstempel dokumentieren:

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Dem ersten Rayon entsprechend wurde dieser Brief in Frankreich mit 45 Centimes an Porto taxiert.

Diese Taxierung von 45 Centimes setzt sich zusammen:
aus dem Vereinsporto von 1 Silbergroschen (= 12 Centimes) für einen einfachen bis 1 Loth schweren Brief aus dem ersten preußischen Rayon,
aus dem französischen Porto von 25 Centimes für einen einfachen unter 7 1/2 Gramm schweren Brief,
aus dem belgischen Transitporto von 5 Centimes.

Die sich rein rechnerisch ergebenden 42 Centimes wurde zum nächsten durch 5 teilbaren Betrag aufgerundet, hier also zu 45 Centimes.

Liebe Grüße
Rüdiger


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Nach relativ langer Wartezeit habe ich bei der Börse in Sindelfingen mal wieder einen Beleg für diese kleine Sammlung erwerben können. Mit 20 Euro fand ich dieses Stück vernünftig ausgepreist:

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Dieser Brief lief am 27.01.1855 ab "MÜLHEIM A.D. RUHR" über Valenciennes und Paris sowie die Bahnstrecke Paris-Strasbourg nach Reims, was rückseitig Durchgangsstempel dokumentieren:

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Dem zweiten Rayon entsprechend wurde dieser Brief in Frankreich mit 55 Centimes an Porto taxiert.

Diese Taxierung von 55 Centimes setzt sich zusammen:
aus dem Vereinsporto von 2 Silbergroschen (= 24 Centimes) für einen einfachen bis 1 Loth schweren Brief aus dem zweiten preußischen Rayon,
aus dem französischen Porto von 25 Centimes für einen einfachen unter 7 1/2 Gramm schweren Brief,
aus dem belgischen Transitporto von 5 Centimes.

Die sich rein rechnerisch ergebenden 54 Centimes wurde zum nächsten durch 5 teilbaren Betrag aufgerundet, hier also zu 55 Centimes.

Liebe Grüße
Rüdiger


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Heute konnte ich nach relativ langer Zeit beim Vereinstauschtag in Köln-Weidenpesch endlich mal wieder einige Belege für meine Preussen-Sammlung ergattern. Der Sammler, der diese Belege abzugeben hatte konzentriert sich mehr auf die Markenausgaben und daher hat er markenlosse Vorphilabriefe immer mal wieder abzugeben.

Dieser am 29.02.1856, also am Schalttag(!), geschriebene, nach Reims adressierte Brief, wurde noch am selben Tag zwischen 6 und 7 Uhr abends in "COELN" aufgegeben:

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Der 29.02.1856 war ein Freitag. Der Beleg durchlief am 02.03.1856, also am Sonntag, das Grenzpostamt in Valenciennes, wo ein Zweikreisstempel "3" abgeschlagen wurde.

Weil der Brief aus dem ersten preußischen Rayon kam wurde ein Rahmenstempel "PR.1R." abgeschlagen.

Der Beleg trägt dem ersten Rayon entsprechend den französischen Taxstempel "45" Centimes.

Diese Taxierung von 45 Centimes setzt sich zusammen:
aus dem Vereinsporto von 1 Silbergroschen (= 12 Centimes) für einen einfachen bis 1 Loth schweren Brief aus dem ersten preußischen Rayon,
aus dem französischen Porto von 25 Centimes für einen einfachen unter 7 1/2 Gramm schweren Brief,
aus dem belgischen Transitporto von 5 Centimes.

Die sich rein rechnerisch ergebenden 42 Centimes wurde zum nächsten durch 5 teilbaren Betrag aufgerundet, hier also zu 45 Centimes.

Rückseitig finden sich ein Kursstempel der französischen Bahnpost von der Strecke "PARIS A STRASBOURG" vom 02.03.1856 sowie ein Ankunftsstempel aus "REIMS" 02.03.1856:

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Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6824
Dieser von einem anderen Absender am 04.01.1856 an denselben Adressaten geschriebene Brief zeigt exakt dieselben Postvermerke wie der zuvor gezeigte Beleg:

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Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6824
Dieser nach Reims adressierte, am 11.02.1855 in "COELN" aufgegebene Brief lief am 13.02.1855 über das belgisch-deutsche Grenzpostamt Valenciennes, wo ein Zweikreisstempel "3" in Rot abgeschlagen wurde:

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Rückseitig drei Zweikreisstempel vom 13.02.1855, einer aus Paris, einer von der Bahnpost Paris - Strasbourg sowie einer aus Reims:

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Da der Brief mit seinem vorderseitig vermerkten Gewicht von "8" Gramm für die nur bis 7,5 Gramm gehende erste französische Gewichtsstufe bereits zu schwer war wurden als Porto statt der sonst üblichen 45 Centimes in diesem Falle "75" Centimes taxiert.

Diese Taxierung von 75 Centimes setzt sich zusammen:
aus dem Vereinsporto von 1 Silbergroschen (= 12 Centimes) für einen einfachen bis 1 Loth schweren Brief aus dem ersten preußischen Rayon,
aus dem französischen Porto von 50 Centimes für einen "doppelten", d.h. bis 15 Gramm schweren Brief,
aus dem belgischen Transitporto von dementsprechend zweimal 5 Centimes.

Die sich rein rechnerisch ergebenden 72 Centimes wurde zum nächsten durch 5 teilbaren Betrag aufgerundet, hier also zu 75 Centimes.

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6824
Hier folgt ein sehr ähnlicher Brief, bei dem links oben als Gewicht "6/10" Loth vermerkt wurde:

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Rückseitig finden sich die drei Stempel aus Paris,von der Bahnpost Paris-Strasbourg sowie aus Reims, die bei diesem Beleg leider allesamt schlecht abgeschlagen wurden!

Liebe Grüße
Rüdiger


Beiträge: 6824
Da dieser nach Reims adressierte, am 10.02.1856 in "COELN" aufgegebene Brief mit seinem vorderseitig vermerkten Gewicht von "8" Gramm für die nur bis 7,5 Gramm gehende erste französische Gewichtsstufe ebenfalls bereits zu schwer war wurden als Porto auch in diesem Falle "75" Centimes taxiert:

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Diese Taxierung von 75 Centimes setzt sich zusammen:
aus dem Vereinsporto von 1 Silbergroschen (= 12 Centimes) für einen einfachen bis 1 Loth schweren Brief aus dem ersten preußischen Rayon,
aus dem französischen Porto von 50 Centimes für einen "doppelten", d.h. bis 15 Gramm schweren Brief,
aus dem belgischen Transitporto von dementsprechend zweimal 5 Centimes.

Die sich rein rechnerisch ergebenden 72 Centimes wurde zum nächsten durch 5 teilbaren Betrag aufgerundet, hier also zu 75 Centimes.

Es wurde am 11.02.1856 im belgisch-deutschen Grenzpostamt Valenciennes ein Zweikreisstempel "3" in Blau abgeschlagen

Liebe Grüße
Rüdiger

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