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Koggen

Moderator: Rüdiger


Beitrag Mi 20. Nov 2013, 22:45

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Kogge und Hanse werden meistens, wenn nicht immer, in direktem Zusammenhang gesehen. Tatsächlich war die Kogge sicherlich das Schiff, das wesentlich zum Erfolg der Hanse beigetragen hat.

Vieles, was wir heute über Koggen wissen, dürften wir einem Schiff verdanken, dass im 14. Jahrhundert in Bremen gebaut wurde und direkt gesunken ist. Im Jahr 1962 hat man die Reste dieser Kogge bei Bauarbeiten gefunden. So sah das Schiff in etwa aus, nachdem man es ausgegraben und zusammengesetzt hatte:
Kogge3.jpg
Der Sonderstempel weist auf das Deutsche Schiffahrtsmuseum hin, das nach dem Fund der "Bremer Kogge" gegründet wurde. Die Kogge war und ist ein wesentliches Exponat des Museums.


... und so hat es vor über 600 Jahren ausgesehen:
Kogge7.jpg
Jugendmarke der Deutschen Bundespost Berlin von 1977

Beitrag Do 21. Nov 2013, 19:50

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Der oben gezeigte Sonderstempel erschien zur Gründung des Deutschen Schiffahrtsmuseums* im Jahr 1975. Dieser Sonderstempel zum 30-jährigen Jubiläum des Museums zeigt ebenfalls die Bremer Kogge:

Kogge4.jpg



* Die Schreibweise ist übrigens richtig. Als Eigenname wird das Deutsche Schiffahrtsmusum mit zwei f geschrieben, auch wenn Schifffahrt eigentlich drei f hat (aber erst seit der letzten Rechtschreibreform).

Beitrag Sa 23. Nov 2013, 16:17

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Die Koggen dienten den Kaufleuten der Hanse als Transportmittel für den Warenverkehr auf Nord- und Ostsee.
Ein wichtiges Exportgut der damaligen Zeit war beispielsweise Salz, das in Lüneburg abgebaut und über Lübeck in den Ostseeraum exportiert wurde. Da es im Mittelalter nicht die Möglichkeiten gab, Lebensmittel über längere Zeit zu lagern, wie es für uns ganz normal ist (z. B. Kühlschränke), war Salz viel wichtiger als heute. Fleisch wurde in Salz eingelegt ("gepökelt") und hielt dadurch viel länger.
Im Gegenzug importierten die Hanse-Kaufleute Güter aus dem Baltikum und Russland, zum Beispiel Pelze.

Auf der Rückseite einer bayrischen Ganzsache aus dem Jahr 1913 sehen wir einen Kaufmann, dessen Kogge gerade im Hafen entladen wird.

Kogge5.jpg

Beitrag Sa 23. Nov 2013, 16:32

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Hier habe ich noch einmal zwei Belege, die Sonderstempel mit Koggen zeigen:

Kogge2.jpg
Dieser Sonderstempel zeigt wieder die schon gezeigte "Bremer Kogge". So wie sie hier zu sehen ist, haben Koggen in Wirklichkeit ausgesehen.


Kogge1.jpg
Hier sehen wir eine Koggendarstellung, die vermutlich auf einer mittelalterlichen Darstellung einer Kogge basiert. Exakt so wie hier dargestellt haben Koggen damals sicherlich nicht ausgesehen.
Wesentliche Eigenschaften einer Kogge sind aber trotzdem gut zu erkennen: ein einzelner Mast mit einem großen Segel sowie das befestigte Vor- und Achterdeck, die auch zur Verteidigung gegen Piraten genutzt werden konnten.

Beitrag Sa 23. Nov 2013, 16:37

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Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die Kogge weiter zum Holk und schließlich zur Kraweel, der den damals aufkommenden portugiesischen Karavellen nachempfunden war.
Danzig (heute Gdansk in Polen) war zwischen den Weltkriegen ein unabhängiger Staat unter Aufsicht des Völkerbundes. Briefmarken der Freien Stadt Danzig zeigen solche Holks.

Kogge6.jpg
Eilboten-Einschreiben aus dem Jahr 1921 aus der zu Danzig gehörenden Stadt Zoppot (heute Sopot) nach Chemnitz

Beitrag So 8. Dez 2013, 09:18

Beiträge: 7926
Der mittelalterliche Segelschiffstyp Holk = Hulk bezeichnet ein relativ breit und flachbödig gebautes Schiff, das nur einen flachen Balkenkiel besitzt.

Zunächst bezeichnete es – besonders im westlichen Mitteleuropa – zum Ende der Römerzeit und im Mittelalter ein vom Land aus gezogenes (getreideltes) Flussschiff mit flachem Boden.

Um das Jahr 1000 wurden in englischen Zolllisten Keels und Hulks unterschieden, die beide den gleichen Zoll zu zahlen hatten. Ein Siegel der Stadt Hulkesmouth aus dem Jahr 1295 bezeichnet das darauf dargestellte, äußerlich koggenähnliche Schiff ausdrücklich als Hulk.

Damals waren Hulks mit etwa 50–60 Lasten (100–120 Tonnen Tragfähigkeit) eher kleiner als Koggen, zogen aber im 14. Jahrhundert größenmäßig gleich.

Im 15. Jahrhundert erreichten Holke eine Tragfähigkeit von 150 Lasten (300 Tonnen). Sie stellten hinsichtlich der Bauweise eine Mischform aus Kogge und dem traditionellen Holk dar und kombinierten den Kiel der Kogge mit dem breiteren, rundlicheren Rumpf der bisherigen Holks. Die Beplankung erfolgte seitlich in Klinkerbauweise, der Schiffsboden war vielfach in Kraweelbauweise ausgeführt. Die Vor- und Achterkastelle waren vom Rumpf aus durchgehend beplankt hochgezogen.

Neben dem einmastigen Grundtyp traten auch Zweimaster und Dreimaster auf. Dieser Schiffstyp stellte im 15. Jahrhundert einen wichtigen Teil der Handelsflotte der Hanse dar, bevor der Holk ab dem Ende des 15. Jahrhunderts zunehmend vom Kraweel abgelöst wurde.

Dieser Beleg zeigt einen Sonderstempel vom 28.05.1978 aus Münster "Tag der Danziger", der als Motiv im Stempelbild einen Holk zeigt:

IMG_0001.jpg
In diesem Umschlag steckte noch ein Ausschnitt der Vorderseite des Umschlages der Postsache mit Absenderstempel "Postsache Postamt Sonderstempelstelle 44 Münster 1 Domplatz 6-7", in dem dieser Beleg nach Aufbringung des gewünschten Sonderstempels an den Absender zurück geschickt wurde. Diese Postsache trägt einen Tagesstempel MÜNSTER 11 vom 27.05.1978 um 12 Uhr:

IMG_0001 - Kopie.jpg
Entweder liegt eine Stempelfehleinstellung bei diesem TSt vor oder aber die Post hatte in diesem Falle vorgearbeitet und die eingegangenen Sonderstempelwünsche bereits einen Tag vor dem Stempeldatum des Sonderstempels erfüllt.

Liebe Grüße
Rüdiger

Beitrag Mi 26. Nov 2014, 17:21

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Eine Hanse-Kogge ( Kog na Xansata) ist das Motiv auf dieser bulgarischen Marke aus dem Jahr 1977.
Bulgarien 1977 Hanse Kogge.jpg


Liebe Grüße
Matthias

Beitrag So 30. Nov 2014, 21:15

Beiträge: 2541
Christian hat bereits auf einem sehr schönen !! Danzigbeleg eine Koggen-Variante auf Danzigmarken vorgestellt.
Danzig 10 Mark Kogge.jpg


Hier ist sehr schön zu sehen, dass das Druckbild sehr verschieden ausfallen kann.

Ergänzend möchte ich lediglich die zweite Koggen-Variante innerhalb dieser Danzigausgabe/n nachreichen.
Danzig 80 Pfennig Kogge.jpg
Danzig 40 Pfennig Kogge.jpg


Den Hinweis im Michel, dass der Durchstich oft Mängel aufweist, kann man ernst nehmen.

Liebe Grüße
Matthias


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